Archiv für den Monat: Januar 2018

Mediation

Mediation ist wie eine Zeitlupe. Spielzüge aus dem realen Leben werden verlangsamt nach-verfolgt, analysiert und reflektiert: um sich dann im realen Leben wieder neu zu positionieren…

Mediation ist ein Instrument der Konfliktlösung. Die Mediatoren geben keine Ratschläge, sondern unterstützen die Konfliktparteien, eigene Lösungen zu finden. Wertschätzung, Achtsamkeit und Einfühlung schaffen im Zeitlupenmodus den Rahmen einer Verständigung.

(Die Freiburger Akademie Zweisicht  hat dazu ein selbstredendes auf Youtube ein Erklärvideo veröffentlicht: Mediation“ (SimpleShow) 

Gewaltfreie Kommunikation

Kern und Herzstück dieses Mediationsverständnisses ist die Gewaltfreie Kommunikation nach dem Modell des 2015 verstorbenen politischen Mediators und Psychologen Dr. Marshall Rosenberg. Er entwickelte dieses Modell in der Tradition der humanistischen Psychologie. Rosenberg war Schüler von Carl Rogers (1902-1987), dem Begründer der personenzentrierten Gesprächstherapie.

Lebensbereichernde Erziehung

Wenig bekannt ist, dass Rosenberg auch ein Schulkonzept entwarf, das Erziehung so verstand, das sie Leben bereichert (Rosenberg, Life enriching education). Dieser Ansatz, der an den Bedürfnissen von Schülern und Lehrern ansetzt, ist im Lichte reformpädagogischer, konstruktivistischer und systemischer Didaktikansätze äußert aktuell und kann den Schulalltag bis heute bereichern.

 

 

Plakatieren – Laternenumzug

21. September 2017, vorgetragen im Atlantik Hotel Baden Baden in der Lesearena des Verlegers Klöpfer

Wahlkampfnachwehen – Laternenumzug

Zu den wahren Sternstunden eines Kommunalpolitikers gehört das Plakatieren in Wahlkampfzeiten! Wirklich Sternstunde? Mögen Sie fragen. Übertreibt der jetzt nicht maßlos?

Zumindest können Sie durch das Plakatieren eine Region richtig bodenständig kennen – und schätzenlernen. Vor allem als Neuzugezogener. So wie ich! Ich erheischte mir den Überblick über die große Kreisstadt Achern durch Laternen! Ich kenne inzwischen fast jede. Da gibt es einige in der großen Kreisstadt Achern. Diese setzt sich – für Ortsunkundige – zusammen aus der eigentlichen Kernstadt sowie den ehemaligen Stadtteilen Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern, Önsbach, Sasbachried und last not least Wagshurst. Dieses Konglomerat führt zu dem Konstrukt, das sich dann Große Kreisstadt nennt: mit circa 25.000 Einwohnern. Und die brauchen selbstverständlich beleuchtete Straßen! Und das führt zu einer wahren Masse von Laternen. Optimales Material zum Plazieren von Wahlplakaten!  Und die Heimat kennenlernen: wenn mir heute jemand Mösbach sagt, fallen mir zuerst die Laternen dort ein. auch bei Wags- und Gamshurst.

Sie lachen jetzt vielleicht. Aber mitten aus der Erfahrung heraus: Sicher wie das Amen in der Kirche: Kurz vor der Landtags- oder Bundestagswahl ruft dich die Parteizentrale zur Pflicht! Schon ewig nix mehr gehört. Aber das Telefon klingelt und der Anruf kommt: Plakate von den Kandidaten mit knappen Sprüchen müssen das Straßenbild in deiner Stadt, deinem Dorf, deiner Ortschaft zieren! Zur Verortung und Identitätsstiftung. Machen die Mitbewerber ja auch! Und los geht’s., Parteisoldat. Dein Lohn ist die Ehre! Um diesem Ruf gewissenhaft zu folgen, brauchen Sie folgendes: Eine Genehmigung vom städtischen Ordnungsamt, Logistik, Handwerk und vor allem einen Kombi – und dann nochmals Logistik, Logistik, Logistik. Sonst geht gar nix! Sie fahren nur im Kreis! Die wichtigsten Utensilien sind, neben dem eigentlichen Plakat natürlich, die passenden Kabelbinder, eine große Leiter… und den richtigen Blick!

Denn Plakate dürfen nicht zu hoch hängen, sonst sieht man sie nicht, sie dürfen aber auch nicht zu tief hängen, sonst entfernt sie ein Konkurrent – und sie dürfen z.B. nicht in Kreisverkehren aufgehängt werden. Das könnte ablenken. Ganz wichtig: Schriften auf den Plakaten werden natürlich im fließenden Verkehr kaum gelesen. Das ist wohl eher an Ampeln, die ja den Autofahrer zum Halten zwingen, anzunehmen. Da bleibt die Zeit zum Aufnehmen von gewichtigen Parteibotschaften: bewusst oder unbewusst. Diese Wahrnehmungschance gilt es gekonnt zu nutzen. Passende Laternen zu geschickt auszuspähen im Verkehrsuniversum! Auf den Straßen mit fließendem Verkehr hingegen eignen sich besser die Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten: majestätisch und lächelnd!

Mein Freund, der Arnold, ist ein begnadeter Handwerker. Mit dem mache ich die Tour. Wir sind nicht nur Freunde, sondern vor allem ein eingespieltes Team. In seiner Garage hat er schon alles hergerichtet: die Plakate vorgebohrt, jeweils schon zwei Plakate zusammengeschnürt – also rechts schon geschlossen und links noch offen: damit sie einfach um die Laterne geschoben werden können –  natürlich eine Leiter und 2 Eimer: einen für die ungebrauchten Kabelbinder sowie einen für die abgezwickten Kabelbinderstücke. Auch die Zange fehlt nicht. Wir fahren los. Unendliche Weiten, der Weltraum – und viele Laternen vor uns. Das Raumschiff Enterprise-Feeling on Bord; immer beambereit. Wir orten noch freie Laternen im Wirrwarr der schon hängender Parteienplakate. Erst in der Kernstadt, dann in Önsbach. Von dort aus geht’s nach Wagshurst. Mist: Fautenbach haben wir vergessen. Jetzt Gamshurst. Natürlich wird zu guterletzt noch frech ein Plakat dick und fett auf die Laterne vor dem Wohnhaus eines bekannten Abgeordneten der mitbewerbenden Partei mit viel Schmackes zielgenau plaziert! Das geschah in Achern Mitte. Auch hier wieder das gleiche Procedere: Mit geübtem Blick eine Laterne ausgucken, dann Parkplatz suchen, Kofferraum auf, Leiter, Plakat und Eimer raus… und dann schnell die Laterne hochgeturnt : Die beiden Plakate mit Kabelbinder fest zusammengeschnürt, die überhängenden Kabelbinder gestutzt… und dann mit Schwung das Ganze nach oben gedrückt. Vorbeifahrende schauen einem an wie das 7. Weltwunder. Was machen die denn da? Na plakatieren! Farbe bekennen! Zufallsblicke: anerkennend, belustigt, ablehnend.

Das machen Sie mal an den Laternen in Ihrer Kreisstadt – so wie ich in der Kernstadt Achern, Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern, Önsbach, Sasbachried und Wagshurst. Ich sage Ihnen, danach haben Sie den Überblick. Nach 3 halben Werktagen pro Saison ist das Werk vollbracht. Circa 150 Plakate an etwa 75 Laternen! Danach fahren wir mit stolz geschwelgter Brust die Route nochmals ab! Es ist ein wahres Glücksgefühl, seine Plakate von weitem schon auf den Laternen zu erspähen. Ja, es passt haargenau an dieser Stelle. Toll! Sternstunde von Parteisoldaten! HA!

Blöd ist dann nur, wenn ein kurzes Tief – am besten noch mit kräftigem Windböen und harmlosen Namen – Ihr Werk in den kommenden Tagen wieder zunichte zu machen droht. Da hängen die Kandidaten schief, kreuz und quer oder eingedrückt – Schande! Vom Winde verweht. Das heißt dann: wieder losfahren; diesmal mit einem großen Stecken im Kofferraum! Hoffentlich klappt das nachzujustieren an der Laterne: in der Kernstadt Achern, Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern, Önsbach, Sasbachried und Wagshurst. Hoffentlich!

Mit Fug und recht können wir unter einem ganz besonderen Aspekt in diesem Wahlkampf behaupten, diesmal eine Sternstunde erlebt zu haben. Das Plakatieren für die Partei war in doppeltem Sinne ein Laternenumzug. Den Martin hängten wir nämlich auf! St. Martin, St. Martin! Passt doch. Oder?

Und vielleicht hören Sie uns am Sonntag dann laut singen: Laterne Laterne, Sonne Mond und Sterne: Denn am Wahlabend sehen Sie Arnold und mich in dunkler Nacht ein letztesmal um und zu unseren Laternen fahren! Wir hängen nämlich dann die Plakate ab! Und stolz dürfen wir sagen: Wir haben noch nie ein Plakat vergessen. Wir kennen unsre Laternen. Es blieb keine rot! Ehrenwort! Obs was gebracht hat… ob das Ergebnis eine Sternstunde wird. Das steht in den Sternen. Heut abend wäre eine Prognose bloße Kaffeesatzleserei. Ich schweige dazu wie ein Grab.

Und die Moral von der Geschicht? Bringt das alles was? Parteisoldat? Dein Lohn ist die Ehre! Hhhmmmm. Aber immerhin: Wir tun was! Öffentlich! Wir zeigen Farbe! Zu den klassischen Wahlveranstaltungen kommt eh kaum einer. Meist genügt das mediale Duell oder der Wahlomat am heimischen PC. Für die Plakate bedanken sich manchmal zumindest Parteinahe – öffentlich. Und es gibt hin und wieder Gespräche unter den Laternen, am Rande des Plakatierens, die manchen dann doch nachdenklich stimmt. Und die gehen dann vielleicht doch wählen in der Kernstadt Achern, Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern, Önsbach, Sasbachried und Wagshurst.

Laterne Laterne, Sonne Mond und Sterne. Wache auf mein Licht, wache auf mein Licht

Achern 2017  by Patrik Schneider. Alle Rechte beim Autor

 

Lebensbereichernde Erziehung

Marshall B. Rosenberg, Erziehung, die das Leben bereichert, Gewaltfreie Kommunikation im Schulalltag, übersetzt von Theo Kierdorf, Junfermann Verlag 2004

Lesetipp… im amerikanischen Original ist es noch viel besser… In der Schrift von Marshall Rosenberg wird schnell klar, warum Schüler oft so desinteressiert sind. Sie haben in der Schule keinen Kontakt mehr zu ihren Bedürfnissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulen als Lernorte der Demokratie nach dem
Schulgesetz Paragraph 1

Schulen haben in Deutschland den klaren Auftrag zur politischen und gesellschaftlichen Bildung. Sie
sind staatlich eingerichtete Orte, an denen junge Menschen Demokratiemündigkeit und Grundwerte
lernen sollen. Angesichts der multikulturellen Vielfalt und der gesamtpolitischen Weltlage gewinnen
solche gesellschaftspolitischen Lernfelder eine ganz neue Bedeutung.

Angesichts des gegenwärtigen Szenarios an postfaktischen Verwässerungen und des erkennbar
nationalistisch geprägten Wandels in den asiatischen, amerikanischen und europäischen Kulturen
lohnt sich ein Blick in das Schulgesetzt Baden-Württembergs (Stand 26.2.2016). Dort steht in
Paragraph 1 geschrieben, dass sich der „Erziehungs- und Bildungsauftrag“ über die „Vermittlung von
Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten“ der Schule weit hinausgeht. Im zweiten Spiegelabsatz wird die
die „Erziehung“ zur „Anerkennung der Wert- und Ordnungsvorstellungen der freiheitlichdemokratischen
Grundordnung“ genannt. Sie ist das Grundfundament der Schule. Im dritten wird
Erziehung als „Vorbereitung zur „Wahrnehmung „der „verfassungsmäßigen staatsbürgerlichen rechte
und Pflichten“ festgeschrieben. Im ersten Spiegelstrich wird das sogar mit der personalen
Entwicklung in Bezug zur christlichen Gottesvorstellung und zum Geiste der christlichen
Nächstenliebe in Bezug gesetzt.

Damit sind Schulen eben nicht nur zu Häusern des Wissens, sondern vor allem auch Häuser der
Demokratie. Hier an diesen Orten der Gesellschaft können und sollen junge Menschen die
Grundwerteordnung unserer Gesellschaft lernen. Die Demokratiefähigkeit steht am Ende der
Schulpflicht. Es geht nach dem Paragraph 1 insbesondere darum, „die dazu notwendige Urteilensund
Entscheidungsfähigkeit“ zu vermitteln. Damit ist sicher mehr gemeint als alle vier oder 5 Jahre
den ungeliebten Gang zur Wahlurne anzutreten. Es geht im Wesen insbesondere darum, auch ein
Urteil für die Wahloptionen reflexiv und kognitiv zu treffen.

Gerade in Zeiten des politischen Paradigmenwandels und der Infragestellung sowie der erkennbaren
Destabilisierung der bewährten freiheitlich-demokratischen Grundordnung solche Zeichen der
Erfüllung des Politischen Erziehungsauftrages notwendig. Das geplante Projekt will hier ein deutlich
erkennbares Zeichen setzen: eben dass Schulen, auch eine kaufmännische über den ökonomischen
Bildungsauftrag auch den politischen Erziehungsbeitrag erfüllt und obendrein damit das Engagement
der Schüler entsprechend würdigt und wertschätzt.

Patrik Schneider, Achern, 8. März 2017

Gewaltfreie Kommunikation als Methode der Mediation

In der Mediation ist die Gewaltfreie Kommunikation eine Methode, um verhärtete Fronten zwischen Konfliktparteien aufzubrechen. Durch Wertschätzung, Einfühlung und aktives Zuhören werden Menschen befähigt, andere Standpunkte nicht als Feindseligkeit oder Aggression zu verstehen, sondern Hintergründe zu begreifen.

vgl. dazu das Erklärvideo: Mediation; herausgegeben von der Akademie Zweisicht