Archiv der Kategorie: Allgemein

70 Jahre Grundgesetz Nicht das Kapital, sondern der Mensch schafft den Frieden

Instrumental: Freude schöner Götter Funken…

Hinführung

Nach seiner Wahl zum Präsidenten betritt Emmanuel Macron 2017 mit dieser Europahymne auf die Bühne der Weltöffentlichkeit – bei seiner Siegesfeier am Louvre. Ein Sieg, über den wir jubelten. Und beim Einzug wird nicht zuerst die französische Nationalhymne, die Marseillaise, sondern die Europahymne gespielt: Die symbolträchtige Handlung eines jungen Senkrechtstarters: erst Europa, dann die Nation. Das ist jetzt 2 Jahre her. Und nicht nur die die Gelbwestenbewegung zeigt uns, wie schwierig diese Präsidentschaft Macrons in diesen Sturmzeiten ist.

Populistische Mehrheiten beginnen den selbstverständlichen Frieden, den wir seit über 7 Jahrzehnten in Europa haben, immer mehr zu gefährden! Hier am Rhein haben wir eine besondere Verantwortung! Der Rhein ist eine zutiefst gebeutelte Region gewesen. Deshalb ist der 70 jährige Geburtstag des Grundgesetzes für unsre Region eine besondere Herausforderung!!! Es gab seit Gedenken noch keine Generation am Rhein und der Saar, die so vom Frieden profitiert hat wie die gegenwärtige! Und dazu trägt der Geist des Grundgesetzes erheblich bei.

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Presseberichte zum Essay

Interview: „Technik ohne Rahmenbedingungen führt ins Chaos“- Patrik Schneider veröffentlicht Essay, Quelle: Mittelbadische Presse, baden online vom 2. April 2019
Autor:
Matthias Heidinger, Achern
https://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/acherner-patrik-schneider-ueber-den-digitalen-zwilling

Printversion veröffentlicht in:
* Acher-Renchen-Zeitung vom 02. April 2019: „Mensch und Maschine werden Partner“
* Badisches Tagblatt vom 04. April 2019: „Wir sind schon mittendrin in der Orwell Welt“Acher

Plädoyer für mehr Menschlichkeit – Wie umgarne ich meinen digitalen Zwilling. Patrik Schneider stellt Essay vor, Quelle: Acher Bühler Bote vom 6. April 2019
Autor: Roland Spether

Die Vision: Wertschätzende Kollegialität

FAIRsuchen wir es…

Als ausgebildeter Wirtschaftsmediator unterstütze ich Sie und Ihre Unternehmung, Einrichtung, Behörde, Schule, Verband oder soziale Organisation bei der konstruktiven Bearbeitung von Konflikten, egal ob sie Mobbing, Burnout oder schlechtes Betriebsklima genannt werden. Und zwar durch entsprechende Bildungsangebote, Mediation oder konkret durch Beratung.

zum Beispiel:

  • durch schnelle Vermittlung zu Experten in das sozialtherapeutische Umfeld, wenn bei Mitarbeitern etwas angebrannt scheint: z.B. bei Sucht-, Überschuldungs- oder familiären Problemen. Wir arbeiten nach Jahrzehnten Praxisarbeit in der Region in guten und bewährten Netzwerken.
  • oder durch Prävention: wir unterstützen Sie beispielsweise beim Abfassen und Implementieren entsprechender Vereinbarungen zu Regeln eines Fairen Umgangs am Arbeitsplatz, wie sie in Konzernen längst üblich sind und entsprechend in das Qualitätsmanagement der Leitbilder aufgenommen wurden.

Oft verbergen sich hinter den Schlagworten wie beispielsweise Mobbing, schlechtem Betriebsklima oder Führungsschwäche einfach nur Klischees, die einer tieferen Aufarbeitung bedürfen, um langfristig Ihre Organisation nicht zu lähmen. Deshalb steht nicht das Problem, sondern die Lösung im Vordergrund. Ziel ist es, positiv einen fairen Umgang, eine lebensbereichernde Kultur und spielerische Freude am gemeinsamen Tun dauerhaft (wieder) zu entwickeln, zu fördern und nachhaltig zu erreichen. Durch eine Investition in ein bewussteres Qualitätsmanagement profitieren alle. Denn:

  • Konflikte fallen nicht einfach vom Himmel. Vor allem sind sie nicht schlecht oder böse! Konflikte sind Leuchttürme! Alte Wege, so erhellen sie, sind nicht mehr gangbar – stattdessen braucht es neue! Gehen Sie es an!
  • Das faire Lösen ist meist günstiger als das lange Mitschleppen unsichtbarer Streitereien. Diese kleinen verborgenen Giftmonster entwickeln sich oft als Nährboden für das, was man ein gemeinhin vergiftetes Betriebsklima oder gar als Mobbing bezeichnet.
  • Das Entzaubern solcher heimlichen Giftmonster schont Ihre Kraft und die Nerven Ihrer Mitarbeiter.
  • Deshalb braucht es die Kultur einer WERTSCHÄTZENDEN KOLLEGIALITÄT. Die fällt normalerweise nicht vom Himmel, sondern entwickelt sich aus einer gelebten Unternehmenskultur. Dabei will ich Sie und Ihre Organisation unterstützen.

Nehmen Sie Kontakt auf. Wir behandeln selbstverständlich Ihre Anfrage seriös und vertraulich.
Kontakt

siehe Seite: Vita

Essay: „Wie umgarne ich meinen Digitalen Zwilling?“ Vom Umgang mit einem Hirngespinst. Ein Essay

erhältlich als BoD-Ebook (5,99 Euro) oder als gebundene Druckbroschüre (13,90 Euro)

https://www.bod.de/buchshop/wie-umgarne-ich-meinen-digitalen-zwilling-dr-patrik-schneider-9783749436637

Verfasser

Der Verfasser, Dr. Patrik Schneider, ist 1960 in Karlsruhe geboren. Als Theologe und Pastoralreferent arbeitete er lange Jahre praktisch als Betriebsseelsorger in Böblingen und danach als Berufsschullehrer im Badischen. 4 Jahre war er Geistlicher Leiter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Freiburg. In diesen Jahren beriet er u.a. Betriebe bei der Abfassung von Betriebsvereinbarungen zum fairen Umgang am Arbeitsplatz – z.B. die DaimlerAG. 2012 reflektierte er die lange Praxis in seiner religionspädagogischen Promotion über neue didaktische Wege sozialethischer Bildung. 2016 vertiefte er seinen methodischen Werkzeugkoffer durch eine Ausbildung zum Konfliktcoach und Wirtschaftsmediator.

Erfahrungen im Bereich Digitalisierung

Mit und von mir geplante und durchgeführte Veranstaltungen zur Digitalisierung u.a.

Seit 2016: Mitglied im Ausschuss ´ Politik und Gesellschaft` des Diözesanrates der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg mit Schwerpunkt Digitalisierung.

11/ 2017: Referent beim Dies des Dekanats Baden-Baden, Arbeit 4.0, Sinzheim

05/ 2018: Zukunft der Arbeit, Digitalisierung, mit dem Gewerkschaftssekretär der Bezirksleitung der IG Metall BW, Kai Burmeister, Achern Gaststätte zur Hoffnung

07/ 2018: Politisches Feierabendgespräch, Autonomes Fahren mit Prof. Dr. Rupert Felder, Heidelberger Druck, Carl-Benz-Schule, Gaggenau

06/ 2018: Fachtagung der Fachberater für Katholische Religion an Berufsschulen, Carl-Benz-Schule, Gaggenau

11/ 2018: Politisches Feierabendgespräch, Wertebildung mit Prof. Dr. Hans Mendl, Religionspädagoge, Carl-Benz-Schule, Gaggenau (vgl. den Link zum Artikel auf der Homepage der Carl Benz Schule Gaggenau)

2019: Einladungen als Autor bzw. Referent zu Fach- und Tagesveranstaltungen

  • 23. Juni 2019, Lesung in der Antoniuskapelle Ottersweier-Hatzenweier
  • 06. Juni 2019, Lesung im Rahmen der Lesearena des Verlegers Klöpfer, Hotel Atlantic, Baden Baden
  • 20. März 2019: Wie umarme ich meinen digitalen Zwilling, Bildungswerk Gaggenau, St. Marien Gemeindehaus, 19.00 Uhr
  • 22. März 2019: Referent beim Diözesanrat der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg (Ausschuss Politik und Gesellschaft)
  • 18 u. 21. März 2019: Referent bei den Fachschaftstagen für Religionslehrer an beruflichen Schulen in Bad Säckingen / Kippenheim
  • 4. April 2019, Präsentation des Essays in der Reisebörse Achern, 19.00 Uhr

Die Katholische Soziallehre – das bestgehüteste Geheimnis der katholischen Kirche

Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert haben Lichtgestalten und lehramtliche Spitzentexte das Leben der Kirche „gewürzt“. Der Einsatz für gerechte Strukturen und den Einsatz für eine gerechte Gestaltung der Arbeitswelt sind darin konstitutiv. Derzeit verkörpert Papst Franziskus diese Werteüberzeugung mit seiner Radikalkritik am System des Kapitalismus. Sein Fazit: Diese Wirtschaft tötet, (Evangelii Gaudium). Damit steht er in der Tradition seiner Vorgänger und des II. Vatikanischen Konzils.

Doch wer hört dem in der Praxis tatsächlich ernsthaft zu? Im Leben der Seelsorgeeinheiten und Dekanate fristet das alles ein Mauerblümchendasein. Verwaltungsaufgaben und vorgegebene Festzeiten im Kirchenjahr scheinen den Einsatz für gerechte Strukturen als wesentliche Dimension christlicher Existenz zu absorbieren. Akteure – z.B. Vertreter von KAB, Kolping oder Arbeitnehmerpastoral – fühlen sich eher als Pausenclowns, denn als wirklich ernst genommene Partner.

Am Beispiel ausgewählter Spitzentexte der Sozialethik und des II. Vatikanums sowie von Biografien wird an dem Abend (oder Tag oder Wochenende) die Bedeutung der Katholischen Sozialethik als Grundbestand einer christlichen Lebensführung vergegenwärtigt und aufgezeigt: und damit kann dieses gut gehütete Geheimnis der Kirche ein wenig gelüftet werden.

Bildungswerk Gaggenau, 20. März 2019, 19.30, St. Marien

Wie umarme ich meinen digitalen Zwilling? Ein Beitrag zur Enttarnung eines Hirngespinsts

Häufig ist heute von Digitalen Zwillingen die Rede. Klingt niedlich, familiär und vertraut. Der digitale Zwilling soll, so die Erwartung, z.B. virtuell industrielle Produktionsprozesse und -verfahren abbilden und die analoge Arbeit entlasten. Aber nicht nur in der Industrie werden wir mit diesem Geschwisterchenbild konfrontiert. Evidenzbasierte Datenerhebungen bestimmen den Arbeitsalltag in Pflegeeinrichtungen, kirchlichen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen.

Wie begegnen wir diesem digitalen-Ich? Welche Beziehung haben wir zu ihm? Er zu uns? Ist er uns ebenbürdig? Darüber soll an dem Abend nachgedacht werden. Nach der Einführung in diese Fragestellung soll die Reduktion des Menschseins hinter dem Sprachbild kritisch beleuchtet werden. Die Vorstellung eines Selbsts ist an die Selbstbestimmung geknüpft. Z.B. an das Vorhandensein einer praktischen, z.B. religiösen und moralischen Vernunft. Die jüdisch-christliche Tradition versteht den Menschen als eine aus Gott verdankte Existenz. In der Industrie hingegen herrscht ein reduziertes Bild vom Menschen, das besagt, dass das Individuum lediglich seinem Eigenvorteil folgt.

Diese beiden Menschenbilder prallen im Hintergrund des gesellschaftlichen Diskurses um die digitale Zukunft derzeit aufeinander. Vermischen sich unrefektiert. An dem Abend sollen die versteckten Menschenbilder im Hintergrund der gegenwärtigen Debatte um die Industrie 4.0 analysiert und die praktischen Folgen dieser Reduktion ausgeführt werden.

Dr. Patrik Schneider

Digitale Welten

„Ohne Selbst keine Selbstbestimmung“
(Joachim Bauer)

Digitale Vernetzungen und Strukturen verändern unseren Alltag. Der digitale Zwilling ein Sprachbild aus der Industrie 4.0[i] – begleitet uns auf Schritt und Tritt. Schon am Bankomaten, beim Ausfüllen der Steuererklärung oder in den social media Plattformen: die erstellten Profile werden zum Abbild unserer Individualität, auch in der Arbeitswelt: die Produktionsprozesse werden gläsern. Und sogar in der Schule wird er zum digitalen Kollegen: Elektronische Klassenbücher, digitale Notenerfassungen: Der Zwilling bildet uns ab als sein Ebenbild – so fabuliert und phantasiert von einem Theologen.

Der Prozess der Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Auch im staatlichen Bildungssystem. So beschloss das baden-württembergische Wirtschaftsministerium am 1. Juni 2018 nach einer erfolgreichen Pilotphase die flächendeckende Einführung von Lernfabriken 4.0 an allen Gewerbeschulen. [ii] An kaufmännischen Berufsschulen können etwa 5.000 Berufsschüler an einem groß angelegten Versuch mit Tablets teilnehmen, die im Unterricht eingesetzt werden. Zum Schuljahr 2018/ 19 wurde Informatik als Pflichtfach an weiterführenden Schulen eingeführt. Das sei nach dem Wirtschaftsministerium eine Investition in die Bildung der Zukunft und damit in den Standort Baden-Württemberg.

Aber in welche Zukunft? Dieser Aufsatz ist ein Versuch, einen Überblick über die enge Verzahnung von Industrie, Digitalisierung und Bildung zu geben und gleichzeitig sich daraus sich ergebenden Fragen an den staatlichen Bildungssektor von Morgen zu skizzieren. Festgezurrt am Sprachbild vom digitalen Zwilling.

Was hat es mit dem Sprachbild auf sich? Zwillinge sind ja nahe Verwandte. Enger geht es nicht. Geschwisterliebe. Lebenslange Verbindung. Wird uns dazu die virtuelle Welt? Werden wir da neu geschaffen? Idealtypisch? Oder standardisiert? Ein alter ego? Der Artikel will nicht verschwörungstheoretisch schwarzmalen, sondern zur Differenzierung einladen. Erkenntnisbereichernd könnte eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Gehalt des Subjetbegriffs sein. Diese erhellt die Vorstellung vom modernen Menschenverständnis. Tatsächlich kannte die Aufklärung verschiedene Auslegungen und Nuancen. Seit dieser Zeit schwirren verschiedene, teils diffuse Deutungen, über die Autonomie und das Subjekt durch die Epochen. Und ist bis heute ist das ein Zankapfel zwischen Ökonomen und Demokraten. Ungeklärt. So bleibt Kant bis heute aktuell. Durch eine entsprechende Analyse mit Hilfe der Philosophie können die teils unklaren Subjektvorstellungen der Gegenwart aufgedeckt und damit auch beitragen, den diffusen Graben zwischen der ökonomischen und humanistischen Bildungsintention aufzudecken. Aber genau das Erkennen dieser Differenz, das Vermessen des Grabens bringt Licht für die Gestaltung einer irgendwie gearteten Bildung 4.0.

Ein Versuch, der lohnenswert scheint. Denn es steht viel auf dem Spiel: Das Selbstverständnis vom Menschen und damit gekoppelt die Vorstellung von seiner Autonomie. Diese droht, so die Grundthese des Artikels, dort zu zerbröseln, wo die Maschine zum Zwilling und Partner des Menschen erhoben wird. Mit dem Freiburger Neurologen Joachim Bauer lässt sich dem schlicht entgegen halten: „Ohne Selbst keine Selbstbestimmung“[iii]. Dieser Satz könnte – wie einst im Orakel von Delphi – als Erinnerung und Mahnung über das neu anbrechende Zeitalter Digitalisierung geschrieben werden. Um das geht es! Um ein Erinnern an das Selbst, den autos, wie die Griechen sagten! Verbunden mit einem Mahnen, den Menschen nicht selbst nur als Algorithmus zu begreifen, und damit das Licht vom Selbst zu reduzieren. Dazu will dieses Essay einen Beitrag leisten. Und das geht methodisch, wenn wir den Ur-Zank zwischen Kant und den englischen Empiristen uns vergegenwärtigen und seinen Nachhall für das Heute hörbar machen.


ANMERKUNGEN

[i] Vgl. zum Begriff bspw.: Brösser, Stefan, Artikel: Digitaler Zwilling, Gablers Wirtschaftslexikon, in: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/digitaler-zwilling-54371/version-277410, überabeitet am 19.02.2018: „Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Modell…,welches die reale und virtuelle Welt verbindet… Diese Kopplung der virtuellen und realen Welten ermöglicht die Analyse von Daten und die Überwachung von Systemen, z.B. Probleme verstehen und bearbeiten, bevor sie überhaupt auftreten, Ausfallzeiten vermeiden, neue Chancen entwickeln und mithilfe von Computersimulationen die Zukunft zu planen.“

[ii] Presserklärung des Staatsministeriums Baden-Württemberg vom 1.6.2018, in: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/neue-foerderrunde-fuer-lernfabriken-40/

[iii] Bauer, Joachim, Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens, München 2015, S.9.

Veranstaltungstipp für eine Bildungsveranstaltung

Kontakt: 0171 3861621

Wie umarme ich meinen digitalen Zwilling? Ein Beitrag zur Enttarnung eines Hirngespinsts

Häufig ist heute von Digitalen Zwillingen die Rede. Klingt komisch, ist aber so. Niedlich und vertraut. Wer mag diese familiäre Atmosphäre denn nicht. Der digitale Zwilling soll, so die Erwartung, z.B. virtuell industrielle Produktionsprozesse und -verfahren abbilden und die analoge Arbeit entlasten. Aber nicht nur in der Industrie werden wir mit diesem Geschwisterchenbild konfrontiert. Evidenzbasierte Datenerhebungen bestimmen den Arbeitsalltag in Pflegeeinrichtungen, kirchlichen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen. Fast scheint es so, als gäbe es ein geschwisterliches und familiär-vertrautes Verhältnis zum virtuellen Partner.

Und tatsächlich: Jeder und jede von uns hat ihn und sie tatsächlich schon: ein digitales Ich – registriert mit Nummern bei Ämtern, Personalabteilungen und Behörden, in social medias oder einfach per Videoaufnahme beim Bankomaten. Es gibt einen digitalen Zwilling von uns, der uns dann beim Surfen z.B. Werbung passgenau zusenden kann, unsere Finanzen abgleicht oder unsere Leistungen mit Schulnoten exakt erfasst. 

Wie begegnen wir diesem digitalen-Ich? Welche Beziehung haben wir zu ihm? Darüber soll an dem Abend nachgedacht werden. Wie Umgarnen und pflegen wir ihn? Welches Profil ist wünschenswert? Oder andersherum – vielleicht noch entscheidender? Wie umgarnt er uns? Wie wirkt das digitale Ich im Alltag? Gehen wir darin auf? Oder sind wir mehr? Können wir uns überhaupt noch vor ihm schützen, wenn durch ihn mit unsichtbarer Hand gelockt wird? Z.B. mit Werbung, die durch sein Profil auf uns genau zugeschnitten wird?

Was hat es damit auf sich? Zwillingsbeziehungen sind hochsensibel und intim. Es setzt Augenhöhe voraus. Das Sprachbild Digitaler Zwilling stammt aus der Unternehmens- und Industriewelt. Die Digitalisierung verspricht eine neue Phase der Industrialisierung, die mit dem Schlagwort Industrie 4.0 auf sich aufmerksam macht. Der Roboter wird in dieser Erwartung tatsächlich zum Partner des Menschen. Zum vertrauten Geschwister. Entwickeln Menschen tatsächlich ein familiäres Verhältnis zu den virtuellen Welten? Ist das die Hoffnung? Ist der Digitale Zwilling der neue, zukünftige Partner der Menschheit? Das ist zumindest in den plakativen Sprachbildern heute schon herauszuhören.

Nach der Einführung in diese Fragestellung soll die Reduktion der vertrauten und familiären Beziehung zu den virtuellen Welten kritisch beleuchtet werden. Ist der digitale Partner tatsächlich dem Menschen ebenbürdig? Das erfordert ein Innehalten und Nachdenken. Nach Immanuel Kant ist die autonome Subjektvorstellung der Moderne geknüpft an das Vorhandensein einer praktischen, z.B. religiösen und moralischen Vernunft. Das erzeugt den Rahmen für freie Entscheidungen. Die jüdisch-christliche Tradition versteht den Menschen als eine aus Gott verdankte Existenz. Diese begründet seine Würde und macht ihn unantastbar. In der Industrie hingegen herrscht vorwiegend das reduzierte Bild vom Menschen, das besagt, dass das Individuum lediglich im Handeln nach dem zu erwartenden Nutzen und seinem Eigenvorteil folgt. Wenn Maschinen auch den Nutzen mehren, dann werden sie zum Partner. Aber werden da nicht personale Tiefenschichten des Menschseins völlig ausgeklammert? Trauer, Leiden, Glück oder Liebe lassen sich nicht algorithmisch abzählen. Verzweilfung und Scheitern lassen sich nicht mit Statistiken und evidenzbasierten Erhebungen lösen.

Diese beiden Menschenbilder, so die zu diskutierende These, prallen im Hintergrund des gesellschaftlichen Diskurses um die digitale Zukunft derzeit aufeinander. Vermischen sich. An dem Abend sollen die versteckten Menschenbilder im Hintergrund der gegenwärtigen Debatte um die Industrie 4.0 analysiert und praktische Auswirkungen der Reduktion ausgeführt werden. Zum Beispiel ist die vielerorts zu hörende Begrifflichkeit „Autonomes Fahren“ von diesem Hintergrund fraglich. Denn sie suggeriert, dass Autos autonom sind. Es gibt aber kein autonomes Fahrzeug. Autos sind gesteuert. Sie arbeiten lediglich von Menschenhand programmierte Algorithmen ab. „Auto-nomos“ ist hingegen eine Ehrenbezeichnung des Menschen. Es bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, sich mit seiner Vernunft selbst Gesetze geben zu können. Dazu gehören soziale und emotionale Fähigkeiten. Das alles kann ein Auto nicht. Ein fundamentaler Unterschied!

Dr. Patrik Schneider