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70 Jahre Grundgesetz Nicht das Kapital, sondern der Mensch schafft den Frieden

Instrumental: Freude schöner Götter Funken…

Hinführung

Nach seiner Wahl zum Präsidenten betritt Emmanuel Macron 2017 mit dieser Europahymne auf die Bühne der Weltöffentlichkeit – bei seiner Siegesfeier am Louvre. Ein Sieg, über den wir jubelten. Und beim Einzug wird nicht zuerst die französische Nationalhymne, die Marseillaise, sondern die Europahymne gespielt: Die symbolträchtige Handlung eines jungen Senkrechtstarters: erst Europa, dann die Nation. Das ist jetzt 2 Jahre her. Und nicht nur die die Gelbwestenbewegung zeigt uns, wie schwierig diese Präsidentschaft Macrons in diesen Sturmzeiten ist.

Populistische Mehrheiten beginnen den selbstverständlichen Frieden, den wir seit über 7 Jahrzehnten in Europa haben, immer mehr zu gefährden! Hier am Rhein haben wir eine besondere Verantwortung! Der Rhein ist eine zutiefst gebeutelte Region gewesen. Deshalb ist der 70 jährige Geburtstag des Grundgesetzes für unsre Region eine besondere Herausforderung!!! Es gab seit Gedenken noch keine Generation am Rhein und der Saar, die so vom Frieden profitiert hat wie die gegenwärtige! Und dazu trägt der Geist des Grundgesetzes erheblich bei.

Wir wollen an dieser Stelle dafür den Vätern und Müttern des Grundgesetzes danken: für die lange Friedenszeit – für die Freundschaft und Aussöhnung mit den europäischen Ländern in Ost und West Deshalb erinnern wir an die Geburtsstunde der deutschen Verfassung: dass diese europäische Gemeinschaft im Frieden geeint bleiben möge.

Grundwerte

Ich möchte federstrichartig die Bedeutung dieses Jubiläums skizzieren! Mit dem Roten Faden der Friedenssicherung, die bei den Menschen, die die Trümmer und das Elend des Krieges überlebt haben, im Vordergrund ihres politischen Agierens stand.

Ein Waffenstillstand allein, so war denen klar, schafft noch lange keinen Frieden. Das lässt sich zumindest aus den beiden Katastrophen des 20. Jahrhunderts lernen. Das Schweigen der Waffen genügt nicht. Zum Frieden gehört eine politische Haltung.

Nach dem Ersten Weltkrieg galt der Grundsatz: Die Nation ist unantastbar. Der Kriegs- und Zerstörungsmythos wurde gefüttert und genährt: durch die Dolchstoßlegende, durch gekränkte Ehre; durch Legenden vom Vaterlandsverräter, durch angeblich verletzten Nationalstolz- erkauft mit den Reparationsleistungen. Das alles fütterte den nationalen Selbsterhaltungstrieb: die Mutter aller Kriegsverherrlichung. Ein Trieb, der, wie es Erich Fromm formulierte, in die „Katastrophilie“ führte: Die Liebe zum Morden, Töten und Verwüstung wuchs! Um der Selbsterhaltung willen war man bereit jede Katastrophe in Kauf zu nehmen. Daraus entwickelte sich nur 15 Jahre später der Nährboden für die nächste Katastrophe: dem III. Reich. Hier galt als Steigerung dann der Grundsatz: Die Rasse ist unantastbar. 12 Jahre hielt diese Maxime der Rasse und des Deutschtums dann… mit verheerender Bilanz! Und Katastrophe!

Erst nach über 70 Millionen Toten, der Bilanz der Urkatastophen, wurden dann einige gescheit: die Väter und Mütter des Grundgesetzes legten die Basis für den Frieden in Europa mit einer neuen Meßlatte: den Menschenrechten. Morgen feiern wir den 23. Mai: 70 Jahre Grundgesetz. Dort steht in dicken Lettern die Meßlatte für andauernden Frieden: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eine Vision, eine Utopie – gegen die täglich noch verstoßen wird. Aber sie brachte unserer Generation tatsächlich Lebensfülle! Über 70 Jahre Frieden nicht nur am Rhein! Ein Antikatastrophenprogramm! Stärker als der Kalte Krieg, mit seinem Potenzial zum Overkill.

Doch diese Maxime ist wieder in Gefahr: Heute würden einige über die Verfassung lieber schreiben: Das Kapital ist unantastbar. Nach Jahrzehnten des Marktradikalismus und Neoliberalismus entspräche das mehr dem Zeitgeist. Wirtschaftliche Globalisierung ohne Rücksicht auf den Nächsten und seine Würde. Doch damit – so die schmerzliche Erinnerung, Warnung und Erfahrung aus dem dunklen Kapitel des 20. Jahrhunderts – gelingt kein dauerhafter Frieden! Der nationale Selbsterhaltungstrieb und –wahn aus den Urzeiten der Jäger- und Sammlerzeit wird damit nicht überwunden! In den aufkeimenden Nationalismen, im Populismus verschleiert sich der nackte Kapitalismus: im Zerrbild des homo oeconomicus, der den homo sapiens ins Abseits katapultiert. Stattdessen schafft er: Brot und Spiele, Ablenkung und Ersatzbefriedigung durch Feindbilder. Und dieses Unkraut beginnt wieder zu sprießen und zu blühen: LePen, Orban, die AFD vor der eigenen Haustür und andere populistische Bewegungen im Aufwind: selbst in Schweden und Norwegen. America first! Der FPÖ-Skandal ist selbstredend das jüngste Beispiel für die staats- und menschverachtende Art der neuen Rechtspopulismen!

Halten wir nochmals inne. Die beste aller Vorstellungen war offenbar die des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Damit gelingt der Frieden! Die Überwindung der selbstmörderischen Katastrophilie! Dazu reicht der Waffenstillstand alleine nicht. Frieden baut auf andere Werte. Friede ist eine innere Haltung! Ein kategorischer Imperativ der moralischen und politischen Vernunft.

Wertekatalog:

Die Demokratie, die wir kennen baut auf das Fundament der Menschenrechte! Das ist der Grundstein, das Totum, auf dem Parteien ihre Programme bauen: Pars pro toto. Der Teil, der fürs Ganze steht! Und das Ganze ist wie in Artikel 1 des GGs steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Eine Vision, die religiös und humanitär begründet werden kann! Aber nicht bewiesen werden kann!

Das äußert sich z.B. in der

=> Achtung gegenüber allen Menschen / Lebensrecht -> Ächtung von Nationalismen / Ächtung autonomer Waffengattungen / uneingeschränktes Lebensrecht von Flüchtlingen (Syrien)

=> Achtung der Ansprüche kommender Generationen –Generationenvertrag: Abwendung der Klimakatastrophe -> Greta Thunberg: Fridays for Future

=> Teilen unter allen Menschen: Dass es allen reicht! Essen, Trinken. Kein Marktradikalismus, kein ausbeuterischer Neoliberalismus, kein heimlicher Abbau von Sozialstandards -> hireing on demand / Digitale Nomaden / Züchten von Individuen als „unternehmerische Selbsts“ (Ulrich Bröckling)

Liebe

Gestatten Ihr / Sie mir liebe Gäste, als Theologe das Formulieren eines kategorischen Imperativs religiöser Vernunft! Eine der möglichen Begründungen dieser Grundwerte. Andere sind natürlich auch möglich. Aber ich theologisiere gerne… auch als Sozialdemokrat.

Bei allen Negativschlagzeilen, die die christliche Kirchenobere hervorgebracht haben: eines haben sie über Jahrtausende geoffenbart und überliefert: Echte Gottesliebe, echte Begegnung mit der Transzendenz, zeigt sich in der Anerkennung und Achtung des Anderen. Gottesliebe ohne Nächstenliebe ist eine Anmaßung! Ebenso ohne Selbstfreundschaft. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Wie in einer Ellipse öffnet die Vertikale zu Gott die Horizontale zum Mitmensch und mir selbst. Das lässt sich ablesen im Programm Jesu, der als Messias bekannt wurde. Christus heißt Messias. Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. wartet das jüdische Volk auf den von Gott Gesandten, von dem es beim Propheten Jesaja hieß: Er würde „die Hilflosen gerecht richten“, „nicht nach Hörensagen du Augenschein richten“. Jesus griff als Jude auf das Gesetz des Altes Testaments zurück. Dort steht das Doppelgebot an prominenter Stelle. Der heilige Franziskus übersetzte es in die Feudalgesellschaft des Mittelalters. Auch andere Religionen greifen auf diese Spiritualität zurück. Mathama Gandhi schaffte damit den gewaltlosen Widerstand, der Dalai Lama bezeugt es. Oder moderne Zeugen: z.B. der Begründer der non violant communication, der Jude Marshall Rosenberg mit seinem politischen Programm:

Das Liebesgebot deutet die Gerechtigkeitvorstellung neu: Es ist eine Gerechtigkeit, die den anderen wertschätzt, achtet und beteiligt – und vor allem alle satt werden lässt. Das ist der Kern des Liebesgebotes. Dass die Hungrigen satt werden und die Reichen leer ausgehn. Und diese Spiritualität gehört zur europäischen Tradition! Und wird als das jüdisch-christliche Erbe heute zusammengefasst.

Das Wort Liebe ist heute etwas verbraucht. Jesus würde, wenn er heute leben würde, vielleicht eher folgende Variante nutzen: „Achte Deinen Nächsten wie dich selbst“; „schätze den Nächsten wert wie dich selbst“; „Sei empathisch zu allen wie du selbst mit dir wertschätzend umzugehen hast“. Die Demokratie lebt genau von dieser Achtung und Wertschätzung und der Vision, dass alle satt werden. Das ist der Geist der Rede von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen: des Anderen als auch meiner Eigenen! Und dafür stehen wir als SPD, Gewerkschafter, Demokraten und Christen! Dass uns, unseren Kindern und Enkelkindern weitere lang Friedensdekaden nicht nur am Rhein geschenkt werden.

Fixsterne

Ich schließe diese Rede mit einem Wort von Willy Brandt: „Wer übers Meer fährt, tut gut daran, den Fixstern und die Fahrrinne im Blick zu haben“. Damit skizzierte er seine Berlinpolitik 1963. Die Grundwerte sind ein Fixstern! Europa ist ein Fixstern! Und die Europa- und Kommunalpolitik die Fahrrinne. Dass wir diese Überzeugung nicht verlieren – dafür stehen wir: als demokratische Parteien, aber noch viel mehr noch als Bürger einer Friedensdekade. Achern, Ortenau, Europe und world for Future! Und genau dafür stehen wir: z.B. im Kreis. Da wollen wir Aufstehen gegen Rassismus.

Dr. Patrik Schneider, Achern

Ökumenischer Gottesdienst zum 1. Mai 2019 in Karlsruhe „Europa jetzt erst richtig“

Hinführung

Nach seiner Wahl zum Präsidenten betritt Emmanuel Macron 2017 mit dieser Europahymne in die Bühne der Öffentlichkeit – bei der Siegesfeier am Louvre. Ein Sieg, über den wir jubelten. Und beim Einzug wird nicht zuerst die französische Nationalhymne, die Marseillaise, sondern die Europahymne gespielt: Die symbolträchtige Handlung eines jungen Senkrechtstarters: erst Europa, dann die Nation. Das ist jetzt 2 Jahre her. Und nicht nur die die Gelbwestenbewegung zeigt uns, wie schwierig diese Präsidentschaft Macrons in diesen Sturmzeiten ist.

Populistische Mehrheiten beginnen den selbstverständlichen Frieden, den wir seit über 7 Jahrzehnten in Europa haben, immer mehr zu gefährden! Hier am Rhein haben wir eine besondere Verantwortung! Der Rhein ist eine zutiefst gebeutelte Region gewesen. Deshalb ist das diesjährige DGB Motto: Europa jetzt erst richtig für unsre Region eine Riesenherausforderung!!! Es gab seit Gedenken noch keine Generation am Rhein und der Saar, die so vom Frieden profitiert hat wie die gegenwärtige!

Wir wollen Gott an dieser Stelle dafür danken: für die lange Friedenszeit – und ihn um seinen Segen, Kraft und Beistand für die Gestaltung Zukunft Europas bitten. Dass diese Gemeinschaft im Frieden geeint bleiben möge. In dem Vertrauen auf den biblischen Gott, der uns den Schalom verheißen hat, den immerwährenden Frieden, beginnen wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

Predigt

Grundwerte

Ein Waffenstillstand allein bringt noch lange keinen Frieden. Das lässt sich zumindest aus den beiden Katastrophen des 20. Jahrhunderts lernen. Das Schweigen der Waffen genügt nicht. Zum Frieden gehört eine politische Haltung.

Nach dem Ersten Weltkrieg galt der Grundsatz: Die Nation ist unantastbar. Dolchstoßlegende. Gekränkte Ehre; Legenden vom Vaterlandsverräter, verletzte Nationalstolz- erkauft mit den Reparationsleistungen – wurde dann zum Nährboden für die nächste Katastrophe: 15 Jahre später: dem 3. Reich. Hier galt als Steigerung dann der Grundsatz: Die Rasse ist unantastbar. 12 Jahre hielt diese Maxime der Rasse und des Deutschtums dann… mit verheerender Bilanz!

Erst nach über 70 Millionen Toten wurden dann einige gescheit: die Väter und Mütter des Grundgesetzes legten die Basis für den Frieden in Europa mit einer neuen Meßlatte: den Menschenrechten. In wenigen Tagen feiern wir den 8. Mai: 70 Jahre Grundgesetz. Dort steht in dicken Lettern diese Meßlatte: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eine Vision, eine Utopie – gegen die täglich noch verstoßen wird. Aber sie brachte unserer Generation tatsächlich Lebensfülle! Über 70 Jahre Frieden nicht nur am Rhein!

Doch diese Maxime ist wieder in Gefahr: Heute würden einige über die Verfassung lieber schreiben: Das Kapital ist unantastbar. Nach Jahrzehnten des Marktradikalismus und Neoliberalismus entspräche das mehr dem Zeitgeist. Wirtschaftliche Globalisierung ohne Rücksicht auf den Nächsten und seine Würde. Doch damit – so die schmerzliche Erinnerung, Warnung und Erfahrung aus dem dunklen Kapitel des 20. Jahrhunderts – gelingt kein dauerhafter Frieden! In den aufkeimenden Nationalismen, im Populismus verschleiert sich der nackte Kapitalismus: im Zerrbild des homo oeconomicus, der den homo sapiens ins Abseits katapultiert. Stattdessen schafft er: Brot und Spiele, Ablenkung und Ersatzbefriedigung durch Feindbilder. Und dieses Unkraut beginnt wieder zu sprießen und zu blühen: LePen, Orban, die AFD vor der eigenen Haustür und andere populistische Bewegungen im Aufwind: selbst in Schweden und Norwegen. America first!

Halten wir nochmals inne. Die beste aller Vorstellungen war die des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Damit gelingt der Frieden! Waffenstillstand alleine genügt nicht. Frieden ist eine innere Haltung! Ein kategorischer Imperativ der moralischen und politischen Vernunft.

Wertekatalog:

=> Achtung gegenüber allen Menschen / Lebensrecht -> Ächtung von Nationalismen / Ächtung autonomen Waffengattungen / uneingeschränktes Lebensrecht von Flüchtlingen (Syrien)

=> Achtung der Ansprüche kommender Generationen –Generationenvertrag: Abwendung der Klimakatastrophe -> Greta Thunberg: Fridays for Future

=> Teilen unter allen Menschen: Dass es allen reicht! Essen, Trinken. Kein Marktradikalismus, kein ausbeuterischer Neoliberalismus, kein heimlicher Abbau von Sozialstandards -> hireing on demand / Digitale Nomaden / unternehmerisches Selbsts züchten

Liebe

Auch ein kategorischer Imperativ religiöser Vernunft!

Bei allen Negativschlagzeilen, die die christliche Kirchenobere hervorgebracht haben: eines haben sie über Jahrtausende geoffenbart und überliefert: Echte Gottesliebe, echte Begegnung mit der Transzendenz, zeigt sich in der Anerkennung und Achtung des Anderen. Gottesliebe ohne Nächstenliebe ist eine Anmaßung! Ebenso ohne Selbstfreundschaft. Wie in einer Ellipse öffnet die Vertikale zu Gott die Horizontale zum Mitmensch und mir selbst. Das lässt sich ablesen im Programm Jesu, der als Messias bekannt wurde. Christus heißt Messias. Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. wartet das jüdische Volk auf den von Gott Gesandten, von dem es beim Propheten Jesaja hieß: Er würde „die Hilflosen gerecht richten“, „nicht nach Hörensagen du Augenschein richten“, Jesus griff als Jude auf das Gesetz des Altes Testaments zurück. Dort steht das Doppelgebot an prominenter Stelle. Der heilige Franziskus übersetzte es in die Feudalgesellschaft des Mittelalters. Auch andere Religionen greifen auf diese Spiritualität zurück. Mathama Gandhi schaffte damit den gewaltlosen Widerstand, der Dalai Lama bezeugt es. Oder moderne Zeugen: z.B. der Begründer der non violant communication, der Jude Marshall Rosenberg mit seinem politischen Programm:

Nun haben wir weniger ein religiöses, als ein Verständigungsproblem in der Moderne. In der Katechese wird die Liebe, insbesondere im religiösen Horizont, arg verniedlicht. * Friede, Freude, Eierkuchen. * Piep piep piep wir haben uns alle lieb, * seid lieb und nett, * Rosamunde Pilcher. Aber das ist bei näherem Hinsehen so nicht. Gerechtigkeit und Liebe sind in dieser Spiritualität nicht getrennt. Die Liebe deutet die Gerechtigkeit neu: Es ist eine Gerechtigkeit, die den anderen wertschätzt, achtet und beteiligt – und vor allem alle satt werden lässt. Das ist der Kern des Liebesgebotes. Dass die Hungrigen satt werden und die Reichen leer ausgehn. Und diese Spiritualität gehört zur europäischen Tradition! Wird als jüdisch-christliches Erbe zusammengefasst.

Jesus würde, wenn er heute leben würde, vielleicht eher folgende Variante nutzen: „Achte Deinen Nächsten wie dich selbst“; „schätze den Nächsten wert wie dich selbst“; „Sei empathisch zu allen wie du selbst mit dir wertschätzend umzugehen hast“. Die Demokratie lebt genau von dieser Achtung und Wertschätzung und der Vision, dass alle satt werden. Das ist der Geist der Rede von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen: des Anderen als auch meiner Eigenen! Und dafür stehen wir als Gewerkschafter und Christen! Und deshalb gehen wir heute auf die Straße!

Im 1. Mai Aufruf des DGBs heißt es: „Am 1. Mai zeigen wir klare Kante gegen Rechts und alle, die unser Land und Europa spalten wollen. Wir sagen Nein zu Intoleranz, Nationalismus, Rassismus und Rechtspopulismus.“

Und dem ist am Schluss positiv das Wort eines Mannes hinzuzufügen, der das schon inmitten der Greuelzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts visionär verstanden hatte und viele von uns bis heute begeistert: ein Wort des Kardinals Josef Cardijn – dem Gründer der CAJ. Mit seinem Grundsatz möchte ich schließen: „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold dieser Welt…“ und dazu sagen wir JA!

Amen

Presseberichte zum Essay

Interview: „Technik ohne Rahmenbedingungen führt ins Chaos“- Patrik Schneider veröffentlicht Essay., Quelle: Mittelbadische Presse, baden online vom 2. April 2019
Autor:
Matthias Heidinger, Achern

Printversion veröffentlicht in:
* Acher-Renchen-Zeitung vom 02. April 2019: „Mensch und Maschine werden Partner“
* Badisches Tagblatt vom 04. April 2019: „Wir sind schon mittendrin in der Orwell Welt“

Badisches Tagblatt, 4. April 2019

Acher Bühler Bote: Über die Buchpräsentation

ABB vom 6. April 2019

Die Vision: Wertschätzende Kollegialität

FAIRsuchen wir es…

Als ausgebildeter Wirtschaftsmediator unterstütze ich Sie und Ihre Unternehmung, Einrichtung, Behörde, Schule, Verband oder soziale Organisation bei der konstruktiven Bearbeitung von Konflikten, egal ob sie Mobbing, Burnout oder schlechtes Betriebsklima genannt werden. Und zwar durch entsprechende Bildungsangebote, Mediation oder konkret durch Beratung.

zum Beispiel:

  • durch schnelle Vermittlung zu Experten in das sozialtherapeutische Umfeld, wenn bei Mitarbeitern etwas angebrannt scheint: z.B. bei Sucht-, Überschuldungs- oder familiären Problemen. Wir arbeiten nach Jahrzehnten Praxisarbeit in der Region in guten und bewährten Netzwerken.
  • oder durch Prävention: wir unterstützen Sie beispielsweise beim Abfassen und Implementieren entsprechender Vereinbarungen zu Regeln eines Fairen Umgangs am Arbeitsplatz, wie sie in Konzernen längst üblich sind und entsprechend in das Qualitätsmanagement der Leitbilder aufgenommen wurden.

Es geht nicht um Schuldzuweisung oder Moralisieren. Oft verbergen sich hinter den Schlagworten wie beispielsweise Mobbing, schlechtem Betriebsklima oder Führungsschwäche einfach nur Klischees, die einer tieferen Aufarbeitung bedürfen, um langfristig Ihre Organisation nicht zu lähmen. Bei meiner Arbeit mit Ihnen steht deshalb nicht das Problem, sondern die Lösung im Vordergrund. Ziel ist es, positiv einen fairen Umgang, eine lebensbereichernde Kultur und spielerische Freude am gemeinsamen Tun dauerhaft (wieder) zu entwickeln, zu fördern und nachhaltig zu erreichen. Dazu SUCHEN wir gemeinsam nach FAIREN Lösungswegen. Zufriedene Mitarbeiter werden es Ihnen danken. Ihre Mitarbeiter und Sie werden durch diese Investition in ein bewussteres Qualitätsmanagement profitieren. Denn:

  • Konflikte fallen nicht einfach vom Himmel. Vor allem sind sie nicht schlecht oder böse! Konflikte sind Leuchttürme! Alte Wege, so erhellen sie, sind nicht mehr gangbar – stattdessen braucht es neue! Gehen Sie es an!
  • Denn vielfach ist das faire Lösen günstiger als das ewig lange Mitschleppen unsichtbarer Streitereien. Diese kleinen verborgenen Giftmonster entwickeln sich oft als Nährboden für das, was man ein gemeinhin vergiftetes Betriebsklima oder noch schlimmer als Mobbing bezeichnet.
  • Das Entzaubern solcher heimlichen, aber höchstwirksamen Giftmonster schont Ihre Kraft und die Nerven Ihrer Mitarbeiter.
  • Dazu braucht es gewisse Grundhaltungen: z.B.: die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwertschätzung, die Fähigkeit zur Einfühlung in den Anderen und damit eng verbunden auch die Bereitschaft zum Hin- und Zuhören. Denn oft reden wir lieber übereinander, statt miteinander. Das hilft. Denn es gilt der uralte Weisheitsschatz: Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold dieser Welt.
  • Deshalb braucht es die Kultur einer WERTSCHÄTZENDEN KOLLEGIALITÄT. Die fällt normalerweise nicht vom Himmel, sondern entwickelt sich aus einer gelebten Unternehmenskultur. Dabei will ich Sie und Ihre Organisation unterstützen.

Nehmen Sie Kontakt auf. Wir behandeln selbstverständlich Ihre Anfrage seriös und vertraulich.
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siehe Seite: Vita

Essay: „Wie umgarne ich meinen Digitalen Zwilling?“ Vom Umgang mit einem Hirngespinst. Ein Essay

erhältlich als BoD-Ebook (5,99 Euro) oder als gebundene Druckbroschüre (13,90 Euro)

https://www.bod.de/buchshop/wie-umgarne-ich-meinen-digitalen-zwilling-dr-patrik-schneider-9783749436637

Verfasser

Der Verfasser, Dr. Patrik Schneider, ist 1960 in Karlsruhe geboren. Als Theologe und Pastoralreferent arbeitete er lange Jahre praktisch als Betriebsseelsorger in Böblingen und danach als Berufsschullehrer im Badischen. 4 Jahre war er Geistlicher Leiter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Freiburg. In diesen Jahren beriet er u.a. Betriebe bei der Abfassung von Betriebsvereinbarungen zum fairen Umgang am Arbeitsplatz – z.B. die DaimlerAG. 2012 reflektierte er die lange Praxis in seiner religionspädagogischen Promotion über neue didaktische Wege sozialethischer Bildung. 2016 vertiefte er seinen methodischen Werkzeugkoffer durch eine Ausbildung zum Konfliktcoach und Wirtschaftsmediator.

Erfahrungen im Bereich Digitalisierung

Mit und von mir geplante und durchgeführte Veranstaltungen zur Digitalisierung u.a.

Seit 2016: Mitglied im Ausschuss ´ Politik und Gesellschaft` des Diözesanrates der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg mit Schwerpunkt Digitalisierung.

11/ 2017: Referent beim Dies des Dekanats Baden-Baden, Arbeit 4.0, Sinzheim

05/ 2018: Zukunft der Arbeit, Digitalisierung, mit dem Gewerkschaftssekretär der Bezirksleitung der IG Metall BW, Kai Burmeister, Achern Gaststätte zur Hoffnung

07/ 2018: Politisches Feierabendgespräch, Autonomes Fahren mit Prof. Dr. Rupert Felder, Heidelberger Druck, Carl-Benz-Schule, Gaggenau

06/ 2018: Fachtagung der Fachberater für Katholische Religion an Berufsschulen, Carl-Benz-Schule, Gaggenau

11/ 2018: Politisches Feierabendgespräch, Wertebildung mit Prof. Dr. Hans Mendl, Religionspädagoge, Carl-Benz-Schule, Gaggenau (vgl. den Link zum Artikel auf der Homepage der Carl Benz Schule Gaggenau)

2019: Einladungen als Referent zu Fach- und Tagesveranstaltungen

  • 20. März 2019: Wie umarme ich meinen digitalen Zwilling, Bildungswerk Gaggenau, St. Marien Gemeindehaus, 19.00 Uhr
  • 18 u. 21. März 2019: Referent bei den Fachschaftstagen für Religionslehrer an beruflichen Schulen in Bad Säckingen / Kippenheim
  • 22. März 2019: Referent beim Diözesanrat der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg (Ausschuss Politik und Gesellschaft)
  • 4. April 2019, Präsentation des Essays in der Reisebörse Achern, 19.00 Uhr

Die Katholische Soziallehre – das bestgehüteste Geheimnis der katholischen Kirche

Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert haben Lichtgestalten und lehramtliche Spitzentexte das Leben der Kirche „gewürzt“. Der Einsatz für gerechte Strukturen und den Einsatz für eine gerechte Gestaltung der Arbeitswelt sind darin konstitutiv. Derzeit verkörpert Papst Franziskus diese Werteüberzeugung mit seiner Radikalkritik am System des Kapitalismus. Sein Fazit: Diese Wirtschaft tötet, (Evangelii Gaudium). Damit steht er in der Tradition seiner Vorgänger und des II. Vatikanischen Konzils.

Doch wer hört dem in der Praxis tatsächlich ernsthaft zu? Im Leben der Seelsorgeeinheiten und Dekanate fristet das alles ein Mauerblümchendasein. Verwaltungsaufgaben und vorgegebene Festzeiten im Kirchenjahr scheinen den Einsatz für gerechte Strukturen als wesentliche Dimension christlicher Existenz zu absorbieren. Akteure – z.B. Vertreter von KAB, Kolping oder Arbeitnehmerpastoral – fühlen sich eher als Pausenclowns, denn als wirklich ernst genommene Partner.

Am Beispiel ausgewählter Spitzentexte der Sozialethik und des II. Vatikanums sowie von Biografien wird an dem Abend (oder Tag oder Wochenende) die Bedeutung der Katholischen Sozialethik als Grundbestand einer christlichen Lebensführung vergegenwärtigt und aufgezeigt: und damit kann dieses gut gehütete Geheimnis der Kirche ein wenig gelüftet werden.

Bildungswerk Gaggenau, 20. März 2019, 19.30, St. Marien

Wie umarme ich meinen digitalen Zwilling? Ein Beitrag zur Enttarnung eines Hirngespinsts

Häufig ist heute von Digitalen Zwillingen die Rede. Klingt niedlich, familiär und vertraut. Der digitale Zwilling soll, so die Erwartung, z.B. virtuell industrielle Produktionsprozesse und -verfahren abbilden und die analoge Arbeit entlasten. Aber nicht nur in der Industrie werden wir mit diesem Geschwisterchenbild konfrontiert. Evidenzbasierte Datenerhebungen bestimmen den Arbeitsalltag in Pflegeeinrichtungen, kirchlichen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen.

Wie begegnen wir diesem digitalen-Ich? Welche Beziehung haben wir zu ihm? Er zu uns? Ist er uns ebenbürdig? Darüber soll an dem Abend nachgedacht werden. Nach der Einführung in diese Fragestellung soll die Reduktion des Menschseins hinter dem Sprachbild kritisch beleuchtet werden. Die Vorstellung eines Selbsts ist an die Selbstbestimmung geknüpft. Z.B. an das Vorhandensein einer praktischen, z.B. religiösen und moralischen Vernunft. Die jüdisch-christliche Tradition versteht den Menschen als eine aus Gott verdankte Existenz. In der Industrie hingegen herrscht ein reduziertes Bild vom Menschen, das besagt, dass das Individuum lediglich seinem Eigenvorteil folgt.

Diese beiden Menschenbilder prallen im Hintergrund des gesellschaftlichen Diskurses um die digitale Zukunft derzeit aufeinander. Vermischen sich unrefektiert. An dem Abend sollen die versteckten Menschenbilder im Hintergrund der gegenwärtigen Debatte um die Industrie 4.0 analysiert und die praktischen Folgen dieser Reduktion ausgeführt werden.

Dr. Patrik Schneider

Digitale Welten

„Ohne Selbst keine Selbstbestimmung“
(Joachim Bauer)

Digitale Vernetzungen und Strukturen verändern unseren Alltag. Der digitale Zwilling ein Sprachbild aus der Industrie 4.0[i] – begleitet uns auf Schritt und Tritt. Schon am Bankomaten, beim Ausfüllen der Steuererklärung oder in den social media Plattformen: die erstellten Profile werden zum Abbild unserer Individualität, auch in der Arbeitswelt: die Produktionsprozesse werden gläsern. Und sogar in der Schule wird er zum digitalen Kollegen: Elektronische Klassenbücher, digitale Notenerfassungen: Der Zwilling bildet uns ab als sein Ebenbild – so fabuliert und phantasiert von einem Theologen.

Der Prozess der Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Auch im staatlichen Bildungssystem. So beschloss das baden-württembergische Wirtschaftsministerium am 1. Juni 2018 nach einer erfolgreichen Pilotphase die flächendeckende Einführung von Lernfabriken 4.0 an allen Gewerbeschulen. [ii] An kaufmännischen Berufsschulen können etwa 5.000 Berufsschüler an einem groß angelegten Versuch mit Tablets teilnehmen, die im Unterricht eingesetzt werden. Zum Schuljahr 2018/ 19 wurde Informatik als Pflichtfach an weiterführenden Schulen eingeführt. Das sei nach dem Wirtschaftsministerium eine Investition in die Bildung der Zukunft und damit in den Standort Baden-Württemberg.

Aber in welche Zukunft? Dieser Aufsatz ist ein Versuch, einen Überblick über die enge Verzahnung von Industrie, Digitalisierung und Bildung zu geben und gleichzeitig sich daraus sich ergebenden Fragen an den staatlichen Bildungssektor von Morgen zu skizzieren. Festgezurrt am Sprachbild vom digitalen Zwilling.

Was hat es mit dem Sprachbild auf sich? Zwillinge sind ja nahe Verwandte. Enger geht es nicht. Geschwisterliebe. Lebenslange Verbindung. Wird uns dazu die virtuelle Welt? Werden wir da neu geschaffen? Idealtypisch? Oder standardisiert? Ein alter ego? Der Artikel will nicht verschwörungstheoretisch schwarzmalen, sondern zur Differenzierung einladen. Erkenntnisbereichernd könnte eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Gehalt des Subjetbegriffs sein. Diese erhellt die Vorstellung vom modernen Menschenverständnis. Tatsächlich kannte die Aufklärung verschiedene Auslegungen und Nuancen. Seit dieser Zeit schwirren verschiedene, teils diffuse Deutungen, über die Autonomie und das Subjekt durch die Epochen. Und ist bis heute ist das ein Zankapfel zwischen Ökonomen und Demokraten. Ungeklärt. So bleibt Kant bis heute aktuell. Durch eine entsprechende Analyse mit Hilfe der Philosophie können die teils unklaren Subjektvorstellungen der Gegenwart aufgedeckt und damit auch beitragen, den diffusen Graben zwischen der ökonomischen und humanistischen Bildungsintention aufzudecken. Aber genau das Erkennen dieser Differenz, das Vermessen des Grabens bringt Licht für die Gestaltung einer irgendwie gearteten Bildung 4.0.

Ein Versuch, der lohnenswert scheint. Denn es steht viel auf dem Spiel: Das Selbstverständnis vom Menschen und damit gekoppelt die Vorstellung von seiner Autonomie. Diese droht, so die Grundthese des Artikels, dort zu zerbröseln, wo die Maschine zum Zwilling und Partner des Menschen erhoben wird. Mit dem Freiburger Neurologen Joachim Bauer lässt sich dem schlicht entgegen halten: „Ohne Selbst keine Selbstbestimmung“[iii]. Dieser Satz könnte – wie einst im Orakel von Delphi – als Erinnerung und Mahnung über das neu anbrechende Zeitalter Digitalisierung geschrieben werden. Um das geht es! Um ein Erinnern an das Selbst, den autos, wie die Griechen sagten! Verbunden mit einem Mahnen, den Menschen nicht selbst nur als Algorithmus zu begreifen, und damit das Licht vom Selbst zu reduzieren. Dazu will dieses Essay einen Beitrag leisten. Und das geht methodisch, wenn wir den Ur-Zank zwischen Kant und den englischen Empiristen uns vergegenwärtigen und seinen Nachhall für das Heute hörbar machen.


ANMERKUNGEN

[i] Vgl. zum Begriff bspw.: Brösser, Stefan, Artikel: Digitaler Zwilling, Gablers Wirtschaftslexikon, in: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/digitaler-zwilling-54371/version-277410, überabeitet am 19.02.2018: „Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Modell…,welches die reale und virtuelle Welt verbindet… Diese Kopplung der virtuellen und realen Welten ermöglicht die Analyse von Daten und die Überwachung von Systemen, z.B. Probleme verstehen und bearbeiten, bevor sie überhaupt auftreten, Ausfallzeiten vermeiden, neue Chancen entwickeln und mithilfe von Computersimulationen die Zukunft zu planen.“

[ii] Presserklärung des Staatsministeriums Baden-Württemberg vom 1.6.2018, in: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/neue-foerderrunde-fuer-lernfabriken-40/

[iii] Bauer, Joachim, Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens, München 2015, S.9.